Überschrift: Allgemeine Informationen

Titel: «Frieden - erste Hilfe für die Seele» - Evangelischer Gottesdienst
Ein Gottesdienst von Pfarrer Dieter Roos (Predigt), veröffentlicht am 24.04.2009.

Kurzbeschreibung: Evangelischer Gottesdienst im Zentrum für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienste in Frankfurt am Main. Übertragen im Zweiten Deutschen Fernsehen am 10. Oktober 2004. Mitwirkende: Pfarrer Dieter Roos (Notfallseelsorger), Ute Krutzki (Notfallseelsorgerin), Christoph Heck (Polizist), Michael Timke (Rettungsassistent), Volker Wilken (Feuerwehrmann). Musikalische Gestaltung: Achim Rinke-Bachmann (Saxophon), Hans-Joachim Schulze (Keyboard)

Themen-Schlagworte: Feuerwehr, Frieden, Hilfe, Notfall, Rettungsdienst, Seele

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Gottesdienstablauf

Eingang
Vorfilm

Anmoderation

SprecherIn: Ich darf Sie heute im neuen Zentrum der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main zum Gottesdienst begrüßen. Hier in Frankfurt sind täglich ca. 130 Feuerwehrleute im Dienst. Davon 20 hier in diesem Zentrum, die mit der Freiwilligen Feuerwehr aus- und fortgebildet werden, damit sie auch qualifiziert helfen können. Schließlich geht es um die Rettung von Menschenleben!

Die Berufsfeuerwehr Frankfurt ist zusammen mit den Hilfsorganisationen für den Rettungsdienst zuständig. Da manche Einsätze sehr belastend sind,
haben wir hier die Möglichkeit, uns anschließend professionell helfen zu lassen. Manchmal hilft schon ein Gespräch mit einem Kollegen oder einem Notfallseelsorger.

Es hilft auch ein gemeinsamer Gottesdienst mit Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Leben zu schützen oder zu retten.

Improvisation

Improvisation mit Saxophon (Aufwühlende Musik)

Begrüßung

PfarrerIn: Notfallseelsorge wurde bekannt, als sie bei großen Katastrophen wie in Eschede mitwirkte, über die in den Medien berichtet wurde. In der überwiegenden Mehrheit wirkt die Notfallseelsorge im Verborgenen, abgeschieden von der Öffentlichkeit.

Wenn eine Mutter ihr Kind morgens leblos im Bett findet oder einer Ehefrau mit ihren Kindern die Nachricht überbracht werden muss, dass der Ehemann und Vater gerade bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, dann schreit die Seele aus Schmerz, Verzweiflung und Angst und sucht nach Hilfe. Notfallseelsorge kann diese Not nicht wegnehmen. Sie kann versuchen, sie zu lindern, aber wie kann das geschehen?

Was geht in Helferinnen und Helfern in solchen Situationen vor, wenn sie täglich mit Leid, Krankheit, Bedrohung und Tod konfrontiert werden? Auch
sie können diese Erfahrungen nicht immer nur einfach wegstecken. Was kann ihnen helfen?

Darum soll es heute in diesem Gottesdienst gehen, für Sie, die heute aus der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen und der Polizei hier zusammengekommen sind, und für Sie an den Fernsehschirmen, die vielleicht schon einmal von einem solchen Unheil betroffen waren.

Ich freue mich, dass ein Berufsfeuerwehrmann, ein Polizist, ein Rettungsassistent und eine Notfallseelsorgerin an diesem Gottesdienst mitwirken. Alle haben schon viele Noteinsätze erlebt. Gemeinsam haben wir diesen Gottesdienst vorbereitet.

Lied

«Lobe den Herren alle, die ihn ehren», EG 447,1.2

1. Lobet den Herren alle, die ihn ehren;
lasst uns mit Freuden seinem Namen singen
und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.
Lobet den Herren!

2. Der unser Leben, das er uns gegeben,
in dieser Nacht so väterlich bedecket
und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket:
Lobet den Herren!

Voten
Eingangsvotum

mit biblischen Texten

PfarrerIn: Wir feiern den Gottesdienst im Namen des Vaters und
des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

1. Votum: Jeremia 29,11
SprecherIn 1: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides...

2. Votum: Johannes 14,27
SprecherIn 2: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht...

Improvisation

Improvisation mit Saxophon (meditative Musik)

Hinführung

zum persönlichen Votum

RettungsassistentIn: Für meine Kollegen im Rettungsdienst und mich gibt es oftmals auch einen Einsatz nach dem Einsatz - einen zweiten Teil des Geschehens.

Hierbei kommt es allerdings nicht mehr auf unser Fachwissen an, sondern auf die innere Einstellung, die wir in unserem Beruf mitbringen müssen: Menschlichkeit, Offenheit und Einfühlungsvermögen!

Zum Beispiel der «Plötzliche Kindstod». Wenn wir an die Einsatzstelle kommen, schauen wir in die Gesichter verzweifelter Eltern, die ihre gesamte Hoffnung in uns Profis gesetzt haben. In diesem Moment ist für uns der Auftrag eindeutig klar: Das Kind soll wieder leben! Wir rufen unser gesamtes Fachwissen ab und versuchen, den von den Eltern in uns gesetzten Erwartungen gerecht zu werden.

Bei dieser Diagnose gelingt uns dies leider nur sehr selten. Wenn wir nun die Wiederbelebungsversuche aufgeben müssen, und das Kind
tot ist, ist der eigentliche Einsatz für uns beendet! Jetzt beginnt aber der schwerste Teil unserer Arbeit. Die Überbringung dieser Nachricht an die Eltern - die Angehörigen und deren Betreuung danach.

Begleitet von unserer eigenen Hilflosigkeit versuchen wir jetzt, den Eltern diese Situation so erträglich wie möglich zu machen. Leider haben wir in unseren Notfallkoffern nichts, was uns in dieser Situation helfen könnte. Dann ist es soweit, dass ich an einen anderen Profi abgeben kann: die Notfallseelsorge.

Ich bin sehr froh, dass es diese Einrichtungen gibt und uns bei unserer täglichen Arbeit unterstützt. Ein Medikament für den Seelenfrieden gibt es leider noch nicht!

Improvisation

Improvisation mit Saxophon (meditative Musik)

Pers. Voten

Psalm im Wechsel mit persönlichen Einlassungen

Persönliches Votum I: Konkreter Schicksalsschlag

PolizistIn: Eine der für mich schlimmsten Situationen ereignete sich kurz vor Ende einer Streifenfahrt in den frühen Morgenstunden. Ein Mehrfamilienhaus stand vom ersten bis fünften Stock in hellen Flammen. Die Bewohner des Hauses wichen - teilweise auf dem Dach kriechend - vor den näher kommenden Flammen zurück, bis es nicht mehr weiterging. Sie schrieen um Hilfe und in ihrer Verzweiflung drohten sie vom Dach zu springen. Frauen, Kinder und Männer. Der Zugang zu dem Haus war uns durch eine meterdicke Flammenwand versperrt. Wir standen auf der Straße und mussten ohnmächtig und hilflos mit anschauen, wie sich eine Katastrophe anbahnte. Wir konnten in dieser Situation nichts für die Menschen tun.

NotfallseelsorgerIn: In Psalm 73 heißt es: Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende in Ehren an. Persönliches Votum II: Zuspruch und «Frieden» erfahren

PolizistIn: Gerade in solch schrecklichen Situationen, in denen oftmals auch noch eine tiefe persönliche Betroffenheit hinzukommt, muss man rational und klar denkend handeln. Glaube und Hoffnung gaben mir die Kraft und Zuversicht, dass ich die wenigen mir zur Verfügung stehenden Mittel so einsetzen konnte, dass sich die Situation zum Guten wandte und die Menschen gerettet werden konnten. Mir hilft der Glaube, solche extremen Situationen, die mich gerade in meinem Beruf als Polizist tagtäglich erwarten können, zu bewältigen.

Psalm: NotfallseelsorgerIn: Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch Gott allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Persönliches Votum III: Trosterfahrung durch Glaube

PolizistIn: Ich weiß, dass Gott bei all meinem Tun an meiner Seite steht und mich begleitet. Ich weiß, dass ich aus dem Glauben Kraft und Zuversicht schöpfen kann, dass mich der Glaube trägt und mir eine Hilfe ist. Eine greifbare Hilfe erfahre ich durch die Notfallseelsorge. Ich bin auch in schwierigen Lagen nicht alleine. Ich habe in allen Situationen kompetente und verlässliche Partner, die mir auch in persönlicher Not beistehen.

Psalm: NotfallseelsorgerIn: Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

Improvisation

Improvisation mit Saxophon (Meditative Musik)

Kollektengebet
Kollektengebet

PfarrerIn: Gott, wir werden still vor dir, lass uns zur Ruhe kommen: warten – hinhören - einfach zulassen, dass du uns nahe kommst. Wir öffnen uns.
Die Gedanken, die uns jetzt kommen, vertrauen wir dir an. Jede Erinnerung, die uns quält, können wir vor dich bringen. Jedes Wort, das wir hören, sucht uns. So lass uns ausgerichtet sein auf deinen Frieden, den du gibst. Amen.

Lied

«Wenn das Brot, das wir teilen», EG 632, 2-3

2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt
und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält
und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

Verkündigung
Votum

Persönliches Votum als Hinführung zur Lesung

Feurwehrmann: Wenn es heißt: «Notfall», müssen wir alle zusammenarbeiten, egal welches Ärmelabzeichen wir tragen. Bereits im Neuen Testament steht geschrieben, dass jeder in seiner spezifischen Funktion gebraucht wird. So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht, und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib.

So ist es auch bei Notfällen: Die Feuerwehr rettet aus dem Gefahrenbereich und leistet technische Hilfe. Notärzte und Rettungsdienste bringen erste Hilfe für den Körper; die Polizei ermittelt und sichert den Notfallort ab, und die Notfallseelsorge leistet erste Hilfe für die Seele. Wenn ein Glied in dieser Kette fehlt, dann fehlt auch den betroffenen Menschen eine notwendige Hilfe. Nur gemeinsam können wir diese ganzheitliche Hilfe erbringen.

Lesung

Lesung im Wechsel: 1. Kor. 12, 4-6, 22-26

SprecherIn 1: Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter, aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.

SprecherIn 2: Vielmehr sind uns die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten. Und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre.

SprecherIn 3: Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen.

SprecherIn 4: Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.

Persönliches Votum als Ausführung zur Lesung:

Feuerwehrmann: Wenn der Einsatz vorbei ist, und es gibt wieder Zeit zum Nachdenken über das Geschehene, dann können Bilder und Gefühle aufkommen, die hilflos machen. Um dann nicht in ein tiefes Loch zu fallen, gibt es die Möglichkeit, dieses alleine sein nicht alleine zu erleben. Mitarbeiter/innen der Notfallseelsorge oder ein geschulter Kollege können darin unterstützen, das Erlebte aufzuarbeiten und zu bewältigen.

Lied

«Wenn das Brot, das wir teilen», EG 632, 4-5

4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt
und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist
und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt.
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
in der Liebe, die alles umfängt,
in der Liebe, die alles umfängt.

Predigt

PfarrerIn: Liebe Besucher des Gottesdienstes hier im Feuerwehrzentrum in Frankfurt am Main, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! «Sie war noch so jung, immer so fröhlich und lebensbejahend. Warum musste sie so jung sterben?» «Was hat sie denn getan, dass ihr Leben so brutal zerstört wurde?» Die Freundinnen kämpften zwischen Hoffnung und Angst. Einige beteten spontan um Rettung. Als sie hörten, dass sie nun doch gestorben sei, da war nur noch Schreien und Entsetzen.

Es war kurz nach Mitternacht, da wurde ich als Notfallseelsorger alarmiert. Eine junge Frau - 20 Jahre - wurde auf einer Straße von einem Auto angefahren. Niemand sah, wie es geschah. Sie kam aus einer Diskothek mit ihren Freundinnen. Diese hörten nur den Aufprall, den Schrei und sahen sie dann leblos auf der Straße liegen.

Dieser Unfall geschah direkt neben der Wache eines Rettungsdienstes. Die Mitarbeiter versuchten sofort, die Verunglückte zu reanimieren, aber ohne Chance auf Erfolg. Sie holten die unter Schock stehenden Jugendlichen in die Rettungswache. Und dazu riefen sie die Notfallseelsorge zur Hilfe. Klagen, Anklagen, Wut und Entsetzen bestimmten die nächsten Stunden.

Im Laufe der Nacht gingen dann die Freundinnen nach und nach nach Hause. Nur die beste Freundin der Verunglückten blieb bis zum anderen Morgen. Sie
wollte immer wieder von mir wissen: «Kann man zu Toten Kontakt aufnehmen? Es kann doch nicht sein, dass sie einfach für immer weg ist!» Sie sagte weiter: «Ich bin ohne Glauben aufgewachsen, ich bin auch nicht getauft und ich kann mir das auch nur so vorstellen, da muss es doch einen Gott geben, der für die Lebenden wie für die Toten da ist. Sagen sie mir: Gibt es diesen Gott?»

Sie können sich sicher vorstellen, dass ich auf alles das, was in dieser Nacht gesagt wurde, dass ich darauf nicht einfach eine Antwort geben konnte. Ich konnte und wollte es auch nicht, denn sie würde in einer solchen Situation auch niemand helfen.

Und diese Fragen stellen nicht nur die, die unmittelbar betroffen sind. Am nächsten Tag haben mich die meist jungen Mitarbeiter des Rettungsdienstes gefragt, ob ich zu ihnen kommen könnte, um mit ihnen über das Geschehene zu reden. Auch sie konnten das nicht einfach cool wegstecken. Das ging ihnen mächtig unter die Haut und hat sie mitgenommen. Und sie haben ganz ähnlich gefragt wie die Freundinnen der Verunglückten auch: «Warum konnten wir da nicht helfen?» Medizinisch, da lässt sich das alles erklären. Aber hier geht es um elementar menschliche Fragen. Fragen, die ich als Seelsorger ganz genauso habe.

«Gibt es diesen Gott?» fragte die Freundin. Das bedeutet doch: Gibt es so etwas wie Trost im Leid, Hoffnung in der Verzweiflung, Vertrauen in der Angst, Frieden in Schrecken und Unfrieden? Als Jesus seinen eigenen Tod vor Augen hatte, da redete er mit seinen Jüngern über seinen Abschied. Alles erschien trostlos. Da sagte er zu ihnen. Wir lesen das im Johannesevangelium im Kapitel 14, Vers 27: «Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.» (Johannes 14, Vers 27)

Ein Frieden, der anders ist als die Welt ihn gibt. Was ist der Frieden, den die Welt gibt? Es ist ein Friede, der von außen kommt, oft auf Macht und Gewalt aufgebaut. Dann ist alles äußerlich «befriedet», aber innerlich, da herrscht sehr viel Unfrieden.

Wie sieht der Frieden aus, der von Gott kommt? Jesus hat sich von den Leidenden, den Geängstigten, den Ohnmächtigen berühren lassen, er hat ihnen viel Nähe gegeben bis zu seinem eigenen Tod. Gott hat neues Leben mitten im Tod gegeben. Die Bibel nennt das «Auferstehung». Dieses neue Leben, das ist die Quelle für den inneren Frieden für die Verzweifelten, ist die Quelle für Trost in der Trauer, in der Menschen sich getragen und geborgen fühlen, auch wenn die äußere Situation unheil, unfriedlich und bedrohlich ist. So sagt Jesus: «Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht».

Trotzdem: Viele fragen nach dem Sinn des Geschehenen, so wie es bei den Jugendlichen nach dem Unfall auch war. Manche fragen allgemein: «Warum ist das geschehen?» Andere fragen Gott ganz direkt: «Wie kannst du das zulassen, Gott?» Sie fragen klagend, anklagend, verzweifelt, suchend. Oft wird dann Gott überhaupt in Frage gestellt. Vom Leid betroffene Menschen fühlen sich verlassen und wenden sich von ihm ab. Das heißt aber nicht, dass sie mit ihm abgeschlossen haben. Aus diesem Gefühl der Verlassenheit heraus, ringen sie mit diesem Gott, den sie nicht verstehen und der jetzt in dieser Situation fern erscheint. Den Betern in den Psalmen ging es da übrigens nicht anders. Die Bibel bezeugt das vielfältig. Wer mit Gott abgeschlossen hat, der fragt ihn nicht mehr. Aber wenn ich mit diesem abwesend erscheinenden Gott ringe, wende ich mich ihm zu und genau darin liegt für viele Menschen Hoffnung.

Und diese Fragen stellt jeder Mensch ganz persönlich. Der eine fragt nach der Schuld, ein anderer nach dem Sinn bzw. der Sinnlosigkeit oder nach Allmacht bzw. Ohnmacht, der andere nach der Hoffnung und wieder für einen anderen ist Verlassenheit sein Thema. Es geht darum, diese spezifischen Nöte immer wieder neu zu verstehen. Denn wenn ich mit diesem abwesenden Gott rede, wende ich mich ihm zu. Denn wie jemand fragt, das hat etwas mit dem geschehenen Ereignis zu tun, das hat etwas mit seiner Lebens- und Glaubensgeschichte zu tun. Was hat bisher sein Leben geprägt? Was hat ihn bedroht? Es geht darum, die ganz spezifischen Nöte jedes einzelnen Menschen - so gut ich das kann - zu verstehen und sie mit ihm auszuhalten. Nicht als einer, der es besser weiß, sondern als einer, der die Schwachheit und Not mit den Leidtragenden teilt.

Die Erfahrung zeigt: So gut wie jeder Mensch trägt Bilder und Symbole der Hoffnung in sich. Aber jetzt sind sie verschüttet. Und ich suche mit den Menschen danach: Was hat ihm bisher in anderen schwierigen Situationen in seinem Leben geholfen? Welche Bilder der Hoffnung trägt er in sich, religiöse oder nicht-religiöse? Und manchmal gelingt es, sie auszugraben. Und noch etwas: Wir können uns gemeinsam an eine höhere Instanz, an Gott, wenden. Gemeinsam bringen wir unsere Fragen, unsere Klagen, unser Erschrecken, unseren Schmerz, aber auch unsere Hoffnung bittend und betend vor Gott.

Wo menschliche Worte an ihre Grenzen stoßen, das geschieht immer wieder, ist für viele Menschen ein Gebet oder der Zuspruch des Segens Gottes das Einzige, was sie jetzt in ihrer Erschütterung erreicht und trägt. Die Zusage seiner Nähe schenkt ihnen Schutz und Vertrauen.

Improvisation mit Saxophon

PfarrerIn: Natürlich muss ich sensibel verstehen: Sucht ein Mensch diesen Zuspruch oder kann er ihn in dieser Zeit nicht hören oder ertragen. So habe ich es einmal erlebt bei der Trauerfeier am Sarg von vier jungen Menschen, die nach einem schrecklichen Gewaltverbrechen ums Leben gekommen waren.

Die Angehörigen waren da, bevor die Särge in ihre Heimatorte weitergebracht werden sollten. Die Mutter einer 21-jährigen sagte mir vorher: «Sagen sie jetzt nur nichts Religiöses oder irgendetwas von Gott. Das kann ich jetzt nicht auch noch ertragen.» Und der Vater eines 19-jährigen sagte mir: «Sie müssen jetzt sagen, dass Gott der Einzige ist, der jetzt noch Trost und Hoffnung geben kann.» Sie können sich vorstellen, da war ich in einem Dilemma. Was soll ich jetzt tun? Ich dachte in diesem Moment an den Vers aus den Abschiedsreden Jesu an seine Jünger, den wir vorher gehört haben:

«Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.» Der Vater sagte mir am Ende, wie hilfreich dieser Zuspruch für ihn gewesen sei. Die Mutter gab mir wortlos die Hand, schaute mich an, aber sagte nichts. Ich konnte in dieser Situation nur Gott darum bitten, dass er ihr etwas von dem inneren Frieden in dieser schrecklichen Situation des Unheils und des Unfriedens schenkt. Fürbitte war jetzt das Einzige, was ich für sie tun konnte. Dieser Friede ist auch denen zugesagt, die den Menschen in Not helfen, in der Feuerwehr, der Polizei, den Rettungsdiensten und anderen Hilfsorganisationen, auch den Notfallseelsorgern selbst. Für sie alle ist es belastend, täglich mit Verletzung, Krankheit, Leid und Tod konfrontiert zu werden.

Das hinterlässt Spuren, die sich eingraben. Helferinnen und Helfer müssen Wege finden, wie sie damit leben können, ohne selbst Schaden zu nehmen und wie sie ihre Kräfte für ihre Arbeit bewahren können. In den meisten Fällen gelingt das auch. Dennoch gibt es immer wieder Situationen, wo auch sie Hilfe brauchen; große, schwere Ereignisse, die auch erfahrene Männer und Frauen nicht mehr so einfach verarbeiten können. Oder manchmal ist es auch ein sogenanntes «kleines. Ereignis», das das berühmte Fass zum Überlaufen bringt, wo alle bisherigen Schutzmechanismen plötzlich nicht mehr greifen. Sie kennen das. Dann brauchen auch Sie dringend diesen Beistand für ihre eigene Seele. Dann brauchen auch Sie die Erfahrung dieses Friedens.

So schenke Gott allen, die direkt von Leid betroffen sind, sowie den Helferinnen und Helfern, die sich um sie sorgen, immer wieder neu seinen Frieden, der in Angst und Schrecken sagt: «Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.» (Johannes 14, Vers 27) Amen.

Lied

«Herr, wir bitten: Komm und segne uns», EG 590, 1

Refrain:
Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.

1. In die Nacht der Welt hast du uns gestellt,
deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit, mitten in dem Leid,
lass uns deine Boten sein.

Refrain:
Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.

Gebet & Segen
Hinführung

Hinführung zum Gebet

SprecherIn: Gott des Lebens, wir beten zu dir, vor dir können wir unsere Klagen und Hoffnungen benennen, wir wissen, bei dir sind sie gut aufgehoben.

Wir haben die gute und tröstliche Tradition in unseren Gottesdiensten, unsere Klagen, Hoffnungen, unseren Dank aufzuschreiben und vor Gott zu bringen.

Eingesammelte Fürbitten

SprecherIn 1: Ein Gottesdienstbesucher schreibt:
Manchmal denke ich: «Nicht schon wieder ein totes Kind.» Und vorgestern mussten wir Eltern - wieder einmal - vom Tod ihres 12-jährigen Sohnes berichten. Warum erscheinst du so entfernt, wenn wir dich am dringendsten brauchen?

SprecherIn 2: Gott, ich bitte dich:
Steh mir bei, wenn ich wieder zu einem Einsatz gerufen werde und nicht weiß, was auf mich zukommt. Sei mir ein starker Helfer, wenn meine Kraft nicht ausreicht, um in der Situation zu bestehen. Ich habe Angst vor meiner Hilflosigkeit. Aber ich möchte die Hoffnung nicht verlieren.

SprecherIn 3: Gib mir Kraft und Hilfe, durch meine Entscheidungen niemanden (insbesondere Kolleginnen und Kollegen) zu Schaden kommen zu lassen. Damit alle wieder lebend und gesund nach Hause kommen. Gib den Helfern die Kraft, helfen zu können und gib ihnen die Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten.

Ausleitung

Gebet und Überleitung Vater Unser

SprecherIn: Guter Gott, wir denken vor dir:
An die Frauen, Männer und Kinder, die ihr «Liebstes» verloren haben und keine Zukunft mehr für sich sehen. An durch Unfälle und Gewalt körperlich und seelisch schwer verletzte Menschen, die am Sinn des Lebens zweifeln. An die «Helfer», in deren Seele sich die Bilder, Geräusche, Gerüche von belastenden Ereignissen eingebrannt haben, die krank werden, sich isolieren. Wir bitten dich, schenke ihnen deinen Geist, rufe sie bei ihrem Namen, gib ihnen den Mut und die Kraft, das Leben anzunehmen. Lass sie Menschen finden, die sie ein Stück des Weges begleiten. Amen

Alles was wir jetzt empfinden, bringen wir zu dir Gott und beten gemeinsam:

...

Vater Unser

SprecherIn: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen & Sendung
Segen & Sendung

PfarrerIn: Der Herr segne Euch und behüte Euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei Euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch und schenke Euch Frieden. Amen.

Improvisation

Improvisation mit Saxophon (Musikalischer Ausklang)