Überschrift: Allgemeine Informationen

Titel: «Go Blind» - Gottesdienst im Dunkeln
Ein Gottesdienst von Alexander Garth (Predigt), veröffentlicht am 24.04.2009.

Kurzbeschreibung: Der erste Gottesdienst im Dunkeln - Was sehen wir wirklich? Mitwirkende: Xenia Wenzel (Moderatorin), Dr. Klaus Douglass (Moderator), Alexander Garth, Klaus Meyer (Pressereferent beim Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen), u.a.

Besondere Hinweise zum Ablauf: Der Gottesdienst wurde in einem abgedunkelten Kinosaal gefeiert.

Themen-Schlagworte: Blindheit, Dunkelheit

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Gottesdienstablauf

Eingang
Beginn

Filmausschnitt «Der Duft der Frauen» beginnt (Licht: Saal dunkel)

Anmoderation

Anmoderation Teil I auf der Bühne (Licht: Ein Spot auf die Moderatoren)

MoteratorIn 1: Guten Morgen und herzlich Willkommen zu GoBlind, dem ersten GoSpecial, den wir fast im Dunkeln feiern wollen.

MoteratorIn 2: Noch können Sie uns sehen, aber das liegt einzig und allein daran, dass ich Ihnen diese junge Dame gerne im vollen Lichtkegel vorstellen wollte… Xenia Wenzel, unsere bezaubernde Moderatorin!

MoteratorIn 1: Ein netter Versuch, aber das war natürlich nicht der Grund. Tatsächlich war es so, dass Klaus Douglass, Pfarrer der Andreasgemeinde, bei der Vorstellung, im Stockdunkeln zu moderieren im Vorfeld ein leichtes Unwohlsein gezeigt hat, und wir die Sorge hatten, er würde uns sonst abspringen. Nun kennen Sie die Wahrheit.

MoteratorIn 2: Ja, für mich hat das Thema «Augen zu und durch» in der Tat eine ganz besondere Note. Auf der anderen Seite finde ich es spannend (wenn ich es überlebe). Wenn die Lichter aus sieht und man nichts mehr sieht, muss man sich ja ein ganzes Stück zusammenglauben, was da vorne, was das da draußen, was da um einen herum vorgeht. Es gibt mehr, als wir hören, es gibt auch mehr, als wir hören. Wir nehmen immer nur einen kleinen Teil dieser Welt wahr, den Rest glauben wir uns zusammen!

MoteratorIn 1: Dieser GoSpecial ist gleichzeitig der Auftakt zu unserem jährlichen Oktoberfest in der Andreasgemeinde, bei dem es um unsere 5 Sinne geht. Morgen Abend geht es ums Hören, am Dienstag ums Fühlen und am Mittwoch um den «sechsten Sinn» – und was Gott mit alledem zu tun hat. (Flyer!)

MoteratorIn 2: Unser Referent ist Alexander Garth, Pfarrer aus Ostberlin. Er hat dort inmitten von Plattenbauten eine blühende Gemeindearbeit aufgebaut, die «Junge Kirche Berlin». Ich habe ihn mehrfach in seiner Gemeinde besucht, ein dolles Ding. Alex, ich freue mich, dass du diese Tage hier bei uns bist!

MoteratorIn 1: Und wir haben einen spannenden Interviewgast hier, der in diesem Gottesdienst vermutlich mehr sehen wird, als wir alle, weil er die andauernde Dunkelheit nämlich gewohnt ist. Seine Name ist Klaus Mayer und er ist Pressesprecher des Blinden- und Sehbindertenbundes Hessen e.V.. Und jetzt schauen Sie sich mal folgenden Spot an:

Kinospot zum Motto «Wie ist es, blind zu sein?» (Licht: Spot aus)

Uhr Anmoderation Teil II (Licht: Spot bleibt aus)

MoteratorIn 1: Als wir vor einem Jahr die Themen 2007 festgelegt haben, wussten wir noch nicht, dass unser GoBlind genau in der «Woche des Sehens» liegt, deren Spot Sie gerade gesehen haben.

MoteratorIn 2: Das passt sozusagen wie die Faust auf’s Auge.

MoteratorIn 1: Das haben wir uns auch gedacht und das Rahmenprogramm für diesen Gottesdienst in Zusammenarbeit mit der Christoffel Blindenmission gestaltet.

MoteratorIn 2: Einige von Ihnen sind vielleicht schon draußen im LKW mit Taststock und Simulationsbrille durch den Erlebnisgang gelaufen und konnten somit ein Stück weit Blindheit erfahren.

MoteratorIn 1: Auch wir, als GoSpecial-Team wollten in Vorbereitung auf diesen Gottesdienst, diesem Gefühl mal nachspüren, wie es ist, tatsächlich nichts mehr sehen zu können. Deshalb waren wir zusammen im Dialogmuseum in Frankfurt. Dort wurden wir von einer blinden Führerin durch Räume völliger Dunkelheit geführt und konnten nur durch Tasten, Riechen, Schmecken und Hören verschiedenste Eindrücke sammeln. Auf einmal ist man als Sehender blind und hilfsbedürftig und die Blinden sehen. Das war eine unglaublich spannende Erfahrung.

MoteratorIn 2: Ganz stockfinster können wir es hier im Kino nicht machen, aber Sie haben ja ihre Brillen, die Sie zusätzlich aufsetzen können und jetzt auch aufsetzen sollen, denn wir möchten Sie nun einladen, sich wirklich einzulassen auf das Experiment, diesen Gottesdienst mal ganz bewusst im Dunkeln zu erleben und sich auf die anderen Sinne zu verlassen.

MoteratorIn 1: Und wenn es trotz Brille und fehlendem Licht immer noch nicht dunkel genug für Sie ist, schließen Sie vielleicht sogar noch die Augen.

MoteratorIn 2: Wir wecken Sie auch, wenn Sie einschlafen sollten ;o)

MoteratorIn 1: Also, Augen zu und durch. Genießen Sie den ersten GoSpecial im Dunkeln...

MoteratorIn 2: Und nun nehmen Sie den Titel des ersten Liedes einfach wörtlich. Sie hören nun die Band Transposed mit dem Lied «Von hier an blind».

Lied

Von hier an blind – Wir sind Helden (Hinweis: Die Band bleibt während des Gottesdienstes auf der Bühne.)

Hörspiel
Hörspiel im Dunkeln

(Es ist komplett dunkel. Das Hörspiel wird vorher aufgenommen und dann abgespielt. Ein Paar befindet sich zuhause in der Wohnung. Es ist Stromausfall. Sie ist die Ruhe selbst und er verliert den Kopf. Es laufen Nachrichten im Fernsehen und gleichzeitig hört man eine Dusche laufen. Plötzlich schaltet der Ton des Fernsehers ab.)

Christian: (Er steht unter der Dusche, die plötzlich kalt wird.) Ahhhh! So ein Mist! Er flucht. Sabine! (Wasser ausdrehen.) Sabine!!! Kommst du mal? Ich kann gar nichts sehen. Wo ist denn das blöde Handtuch? Sabine, wo bist du denn? Man hört Schritte. Autsch!

Sabine: Genervt: Wohnzimmer!

Christian: Ungeduldig: Ich habe dich gerufen!

Sabine: Ich habe dich gehööört!

Christian: Im Bad ging plötzlich das Licht aus.

Sabine: Ja, alles ist aus.

Christian: Oh Gott, Stromausfall! Wo haben wir denn die Taschenlampe? Er fängt an zu suchen. Man hört Suchgeräusche.

Sabine, hilf mir doch mal suchen! Wo ist denn diese blöde Taschenlampe? (Man hört Gerumpel.)

Sabine: Weiß nicht, wann hast du sie denn zuletzt benutzt?

Christian: Keine Ahnung. Ah ja doch... als du neulich nicht wusstest, was das komische Geräusch beim Einparken gewesen ist.

Sabine: Gut, die liegt also im Auto.

Christian: Verdammt! Das gibt’s doch nicht! Haben wir denn wenigstens irgendwo Kerzen???

Sabine: Nein. Beleidigt: Die tollen Aromatherapie-Duftkerzen, die ich für unser romantisches Abendessen gekauft hatte habe ich Kathrin geschenkt - du hast nämlich gesagt, sie riechen nach kandiertem Katzenklo.

Christian: resigniertes Stöhnen. Schmollend: Benutztes kandiertes Katzenklo.

Sabine: Komm, jetzt setz dich mal zu mir auf’s Sofa.

Christian: Wo bist du denn? Es rumpelt wieder. Scheiße! Ahh, mein Knie! Sabine? Bist du da? ... Ah. Da.

Sabine: Huch, du bist ja nackt! Ihh und nass!

Christian: Ich war unter der Dusche, als der Strom ausfiel. Super, jetzt sitzen wir hier im Dunklen, weil du die Taschenlampe im Auto gelassen hast.

Sabine: Jetzt reg’ Dich doch nicht so auf. Ist doch alles nicht so dramatisch. Hier komm, du kriegst auch meine Kuscheldecke.

Christian: Die ist rosa!

Sabine: Christian, es ist dunkel.

Christian: grummelt Fühlt sich trotzdem rosa an. Pause. Man hört, wie er auf dem Tisch herumtastet. Hier muss irgendwo noch Wasser stehen und ein Glas….Ahh, da. Er gießt ein und hörbar daneben und explodiert. Verdammt, so ein Mist. Warum muss der Scheiß-Strom denn gerade jetzt ausfallen?

Sabine: Atmet tief durch. Hey, ganz ruhig. Das hier ist keine lebensbedrohende Situation. Kein Grund zur Panik. Lass mich mal. Überleg Dir doch einfach wie Du mit der Situation kreativ umgehen kannst!

Christian: Knurrt. Mhhh.

Sabine: Gib mir mal dein Handtuch. Komm her. Man hört Rubbel-Geräusche. Bei kleinen Kindern wirkt das auch Wunder. Einmal schön abgerubbelt, das ist halb massiert und ganz beruhigt. Pause

Christian: knurrt jetzt behaglich. Sabine plötzlich irritiert: W-Was machst Du da? Christian!

Christian: liebevoll-lasziv Ich soll doch kreativ sein. (Für eine Weile hört man nur Geräusche von Streicheln und leisen Küssen)

Sabine: schreckt auf Sag mal – was mir grad einfällt: Hast Du eigentlich die Stromrechnung bezahlt?

Christian: Genervt Wieso ich?

Sabine: Ich hab sie Dir doch hingelegt. Das war schon die zweite Mahnung!

Christian: Wo hast Du sie hingelegt? Ich weiß von nichts.

Sabine: Super, jetzt sitzen wir hier im Dunkeln, weil Du die Stromrechnung nicht bezahlt hast!

Christian: Nun mal langsam.

Sabine: Und wahrscheinlich warst Du auch nicht beim Schuster, um meine Pumps abzuholen.

Christian: Nein, das wollte ich morgen machen.

Sabine: Toll, wie du immer alles nach hinten schiebst, bis es zu spät ist. Schließlich brauch ich die Pumps für den Empfang morgen abend. Ooh Seit Wochen erzählst Du mir, wie wichtig das in deiner Firma genommen wird, und dass morgen sogar der Minister kommt. Und die Presse.

Christian: Eben: morgen; deshalb ist morgen auch nicht zu spät.

Sabine: Du vergisst, dass der Empfang bei Euch in der Firma ist und Du vorher gar nicht mehr nach Hause kommst. Soll ich etwa in Abendkleid und Flip-Flops erscheinen und mich dann vor den Augen deiner Kollegen und der versammelten Presse umziehen? Da mach ich mich ja komplett lächerlich. Wie sieht das aus?

Christian: Liebes, ganz ruhig. Versuch doch mal kreativ mit der Situation umzugehen.

Sabine: Schreit fast Ich hasse das! Ich kann mich auf Dich nicht verlassen! Du bist total unsozial.

Christian: bleibt ruhig Schatz, manche Dinge laufen nicht so, wie Du es Dir vorgestellt hast. Aber deshalb laufen sie nicht unbedingt schief.

Sabine: Und ich laufe morgen mit Flip-Flops zum feierlichen Empfang des 100-jährigen Bestehens eurer Firma. Wahlweise hätte ich auch noch Wanderstiefel oder Joggingschuhe im Angebot.

Christian hat plötzlich ne Idee: Hey, Ich kann die Pumps im Auto liegen lassen. Dann kannst Du im Auto die Schuhe umziehen.

Sabine: grummelt

Christian: grinst Und da liegt ja sogar noch die Taschenlampe, dann musst du Dich nichtmal im Dunkeln umziehen.

Sabine: Etwas freundlicher Mhhh. Und hast Du für die Geschichte mit dem Strom auch so ne kreative Lösung? Immerhin hatten wir ausgemacht, dass Du diese Überweisungen machst. Und sie nicht verschlampst. (Es klingelt)

Christian erleichtert: Ich mach auf. Man hört ihn aufstehen. Wobei, ääh, kannst du vielleicht zur Tür gehen, Schatz? Ich ...hab nichts an.

Sabine: Okay. Wahrscheinlich ist es der Geldeintreiber vom Stromkonzern. Schritte, Türöffnen. Oh, Hallo Herr Bender.

Herr Bender: Guten Abend. Ich komm grad nach hause und wollte nur fragen: Ist bei Ihnen auch der Strom weg?

Sabine: Ja, seit ein paar Minuten.

Herr Bender: Gott sei dank, dann ist es nur ein Stromausfall. Ich hatte mir schon Vorwürfe gemacht, weil ich die Rechung nicht bezahlt hab. Aber dann ist ja alles gut. Schönen Abend noch! (Seine Schritte entfernen sich, die Türe wird geschlossen.)

Ende

Jingle

Interview
Interview

MoteratorIn 1: «Ich begrüße nun ganz herzlich Klaus Meyer als Interviewgast. Sie sind Pressereferent beim Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen und bei Ihnen spielt sich ihr Leben tatsächlich im Dunkeln ab, da braucht man nichts zu simulieren. Stellen Sie sich manchmal vor, wie das Leben als Sehender sein könnte? Vermissen Sie das Sehen?»

Klaus Meyer: «Bis ich 13 Jahre war, habe ich auf einem Auge gesehen, von daher sind mir Farben vertraut, ich weiß wie Obstbäume in der Blüte aussehen, ich weiß wie Menschen aussehen, wenn sie jung sind, wenn sie alt sind, wie sich Haare verändern, ich weiß wie sich Pflanzen oder Früchte verändern, eine Tomate ist z.B. erst grün, dann wechselt sie in ein helles bis in dunkelrot, also die verschiedenen Zustände, wie eine Frucht reift, das kenne ich alles, da kann ich mich noch dran erinnern, natürlich alles mit den Augen eines Kindes, eines Heranwachsenden. Jemand, der jetzt wie ich 49 ist, der sieht bestimmte Dinge sicherlich anders und interpretiert es anders, aber ich kann mich an das alles noch gut erinnern.»

MoteratorIn 1: «Können Sie uns kurz erzählen, wie Sie Ihren Alltag, Ihr Leben meistern? Sind Sie immer auf Hilfe angewiesen, wie kommen Sie zurecht?»

Klaus Meyer: «Mein Alltag wird sicherlich nicht wesentlich anders aussehen als der von Ihnen oder von den Leuten die hier sind. Ich stehe morgens mit meiner Frau zusammen auf. Wenn es zeitlich reicht, machen wir Frühstück, dann geht jeder zur Arbeit. Natürlich ist man als blinder Mensch auf Hilfe angewiesen, aber das sind sehende Menschen auch. Sehende Menschen können auch nicht alles. Die können zwar sehen ob das T-Shirt gelb oder blau oder rot ist, aber wenn ich etwas nicht kann, weil ich es nicht verstehe, weil es mir fremd ist, dann bin ich auch auf Hilfe angewiesen. Es ist halt eine andere Form der Hilfe. Ich bin ab und an auf Hilfe angewiesen, z.B. beim schnellen Post durchlesen, beim Handschriften lesen. Bei Kleidern kann man das selbst machen, selbst gestalten, indem man eine gewisse Ordnung hält, indem man sich angewöhnt, Sachen nicht nur anzugucken, weil alle Dinge nicht nur ein Aussehen haben, man kann sie nicht nur angucken, sondern sie riechen anders, sie schmecken anders, sie fühlen sich anders an – und so unterscheiden sich auch z.B. Kleidungsstücke nicht nur farblich sondern auch taktil.

MoteratorIn 1: Hat das Blindsein Ihnen etwas eröffnet, was Sie vielleicht so nicht erlebt hätten?

Klaus Meyer: Es hat sich auf jeden Fall bei mir etwas verändert. Ich bin mit 13 von zu Hause weggekommen. Ich komme aus dem Schwäbischen, ein kleines Dorf mit 3.500 Einwohnern, bin da zur Schule gegangen und hätte da, wäre das mit den Augen nicht schiefgelaufen, wahrscheinlich dort auch irgend etwas angefangen: die Schule abgeschlossen, einen Beruf erlernt, eine Ausbildung gemacht... - wie es halt so läuft in aller Regel. Dadurch aber kam ich mit 13 erstmal ein Jahr lang nach Stuttgart um die Blindenschrift zu lernen, die Braille-Schrift. Ich kam damals nur übers Wochenende heim und mit 14 kam ich dann nach Marburg. Da kam ich eigentlich nur in den großen Ferien heim. Das ging damals allen Jugendlichen, die dort in Marburg zur Schule gingen so. Damit lernst Du natürlich sehr viel schneller und früher – oder versuchst es zumindest - Dein Leben in den Griff zu kriegen. Du musst Dich den anderen Mitschülern gegenüber einfach nur mal durchsetzen, behaupten, Du musst Deinen Platz finden. Du musst Dich in einer vollkommen neuen Umgebung zurecht finden und das prägt. Was wir im Internat mit 13, 14 durchgemacht haben, das machen andere, die dann vielleicht zur Uni gehen, mit 19, 20, und im Studentenwohnheim sind. Die machen dann vielleicht so eine ähnliche Entwicklung durch, dieses Abnabeln, dieses Freischwimmen von zu Hause.

MoteratorIn 1: Was würden Sie sagen, was die Sehenden von den Blinden lernen können?

Klaus Meyer: Die blinden Menschen sind ja keine besonderen Menschen. Das sind Menschen wie du und ich – ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Da gibt es Menschen, die sind lieb, nett und es gibt auch richtig bescheuerte Blinde. Das sind keine besseren, keine durchweg nur Gutmenschen, die haben auch alle ihre Stärken und Schwächen. Es gibt viele blinde Menschen die vielleicht ein bisschen mehr Unterstützung brauchen, vielleicht wenn sie im Alter in diese Situation geraten brauchen sie mehr Hilfe als Menschen die das gar nicht anders kennen, die Sehen nie erlebt haben und von daher auch keinen Verlust darin erkennen. Oder Menschen, denen es gegangen ist wie mir, die besser und mit weniger Unterstützung damit zurecht kommen. Von daher kann man keine pauschale Aussage machen, aber was man generell mit auf den Weg nehmen kann ist ein bisschen mehr Gelassenheit. Das hilft, nicht immer alles schnell schnell machen zu wollen. Als blinder Mensch habe ich gelernt: Manche Sachen gehen ein Stück weit langsamer oder ein bisschen anders aber in aller Regel gehen sie.

MoteratorIn 1: In der Anmoderation wurde vorhin gesagt: Wenn man nichts mehr sieht, muss man sich die Welt um sich herum ein Stück weit «zusammenglauben». Sind Sie in diesem Sinn ein gläubiger Mensch?

Klaus Meyer: Man geht davon aus, dass heutzutage 80 Prozent dessen, was man wahrnimmt, über das Auge stattfindet und die restlichen 20 Prozent über die anderen Sinne. Wenn nun jemand erblindet, heißt das nicht, dass er nur noch 20 Prozent der Umwelt wahrnimmt. Die anderen Sinne können und müssen, wenn das Auge wegfällt, zwangsläufig nach und nach ein Stück weit kompensieren. Man wird nie wieder komplett auf 100 Prozent kommen. Wenn ein Sinn wegfällt, dann fehlt etwas. Aber die anderen Sinne können ein gutes Stück kompensieren. Bei blinden Menschen geht sehr viel über das Gehör. Sie hören nicht besser als sehende Menschen aber sie haben gelernt, das, was sie hören, besser zu interpretieren. Ich kann hören, wo ein Geräusch herkommt. Ich kann hören, ob ein Auto schnell oder langsam auf mich zukommt, oder ob es von mir wegfährt. Das ist für meine Orientierung existenziell.

MoteratorIn 1: Was würden Sie jemandem sagen, der sagt: «Ich glaube nur das, was ich sehe.»

Klaus Meyer: Schade! Denn es gibt Dinge, die passieren auch, wenn ich sie nicht sehe, oder gerade deshalb. Ich finde es zu kurz gegriffen, nur Dinge zu verstehen, zu glauben, indem ich sie sehe. Es gibt auch Formen der Wahrnehmung, indem ich Sachen nur höre oder spüre oder registriere. Die anderen Sinne sind uns ja nicht nur zum Spaß gegeben worden. Sie haben alle ihren Sinn, ihre Funktion und Aufgabe. Von daher finde ich es schade, dass in unserer optisch geprägten Welt die anderen Sinne ein bisschen kurz kommen. Wenn die Menschen sich auf die anderen Sinne rückbesinnen und versuchen, sie ein Stück weit stärker für sich zu nutzen, wird ihr Leben wahrscheinlich viel, viel inhaltsreicher.

MoteratorIn 1: Wir sind ja hier im Kino. Wann waren Sie das letzte Mal im Kino? Gehen Sie überhaupt ins Kino und was ist ihr Lieblingsfilm?

Klaus Meyer: Ein so großer Kinoexperte bin ich jetzt nicht, bei Literatur könnte ich Ihnen eher etwas sagen. Aber der letzte Film wo ich mit meiner Frau drin war heißt «Wie im Himmel». Der spielt in Schweden und handelt von einem Dirigenten, der einen Laienchor leitet und den Menschen ein anderes Verständnis von Musik und Gemeinschaft beibringt. Ein klasse Film. Oder der Johnny Cash-Film, den habe ich auch gesehen. Ich gehe ins Kino, ins Theater, ab und an ins Stadion, Fußball gucken, lese sehr gerne - überwiegend Hörbücher, ich mache Sport. Nichts besonderes – aber einfach schön.

MoteratorIn 1: Vielen Dank dass Sie da waren. Sie sind auch nachher nach dem Gottesdienst auch bereit noch Fragen zu beantworten und werden dazu draußen am Infotisch stehen.

Klaus Meyer: Richtig – und hier schon mal der Hinweis: Alle Fragen sind erlaubt. Es gibt keine dummen Fragen.

Lied

Was wäre wenn – Schulze

Predigt & Lied
Predigt

Predigt (vom Platz aus)

Eigentlich erzähle ich im Dunkeln bloß Gruselgeschichten. Das soll aber jetzt eine Predigt werden. Eine Einladung, mit dem Herzen zu sehen. Wer im Dunkeln lebt, ist noch lange nicht blind. Sie müssen jetzt, in diesem Gottesdienst, mit den Ohren sehen. Weil nämlich, wie wir schon gehört haben - das gilt auch für einen Vortrag – nur 30 Prozent das ist, was man hört, und 70 Prozent das ist, was man sieht. Das heißt, sie kriegen jetzt normalerweise von diesem Vortrag nur 30 Prozent mit. Aber wenn man mit dem Herzen sieht, dann wird’s ein bisschen mehr. Die Realität ist ja viel mehr, als das, was wir sehen, weil unser Auge, das weiß jeder, nur einen kleinen Ausschnitt von der Wirklichkeit wahrnimmt.

Wenn ein Mensch sagt: «Ich glaube nur was ich sehe» dann umschreibt er damit, wie ich glaube, nur das, was man messen, wiegen, berechnen kann, nur das ist irgendwie real. Aber wer so an die Wirklichkeit herangeht, der reduziert sie. Es gibt so einen berühmten Satz, den kennen viele von uns, denke ich, aus dem Kleinen Prinzen: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Dieser Satz drückt etwas ganz Faszinierendes aus, nämlich: Wenn wir nur das sehen, was wir sehen, dann sind wir nicht eigentlich lebensfähig. Die wirklich wichtigen Sachen kann man nämlich gar nicht sehen.

Das Wichtigste ist zum Beispiel Liebe. Liebe kann man nicht sehen. Man kann nur Anzeichen von Liebe sehen. Ein Gedicht das jemand schreibt, einen Blumenstrauß, eine heroische Tat, irgendetwas Verrücktes. Aber Liebe an sich kann man nicht sehen. Wenn doch würde ich Ihnen sagen, wenn wieder Licht ist: «Kann mal bitte jemand Liebe nach vorne bringen und hier vorne hinlegen?» Oder Hoffnung. Die Hoffnung, dass alles gut wird. Die Hoffnung, mit der man in eine Prüfung geht: «Wenn ich diese Prüfung gut mache, kriege ich vielleicht einen richtig tollen Job». Das heißt, wer nur glaubt was er sieht, der übersieht den größten Teil unserer Wirklichkeit. Wir leben eigentlich von dem, was unsichtbar ist. Und wir müssen es lernen, auf das zu schauen. Es gibt in der Bibel einen Satz, den ich mag. Aus einem Brief von Paulus, dem Epheser-Brief, da heißt es: «Er, also Gott, gebe Euch, erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid.» Warum brauchen wir eigentlich die erleuchteten Augen des Herzens? Ganz einfach: Weil das Wesentliche unsichtbar ist. Zum Beispiel Vertrauen.

Wir haben vorhin eine Szene aus einem Film geguckt - ich liebe diese Szene – ich sage kurz was zum Umfeld: Da ist dieser General der durch einen dummen Unfall blind geworden ist. Der hat das Leben satt und eigentlich will er aus dem Leben ausscheiden. Und der junge Mann neben ihm – das war nicht sein Sohn sondern so eine Art Betreuer, wie wir sagen würden: sein Zivi – also sein Zivi kriegt das mit, dass dieser Mann total lebensmüde ist. Und er fragt ihn: «Man kann doch nicht einfach so aus dem Leben gehen. Man hat doch noch Wünsche.» Und dann kriegt er mit, dass der große Wunsch seines Lebens ist, einmal Ferrari zu fahren. Aber er muss diesen Wunsch vergessen, weil er blind ist. Und der Zivi ermutigt ihn, sie arrangieren es, dass er doch als Blinder diesen Ferrari ausleihen kann und dann fährt er mit dem Ferrari. Ich liebe diese Geschichte, weil sie eine ganz tiefe Wahrheit enthält: Nicht Sehen ist das Entscheidende, sondern Vertrauen. Der Blinde – Al Pacino in diesem Fall – muss sich den Augen und den Anweisungen seines Zivis anvertrauen und so kann er Ferrari fahren. Aber kommen wir zurück. Was heißt das eigentlich: Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar?

Ich möchte jetzt versuchen, uns die Augen des Herzens zu öffnen für das, was eigentlich wichtig ist. Was müssen wir sehen? Das erste: Wir müssen einen Blick dafür bekommen, wer wir selber sind. Wer bin ich? Unsere Identität. Das ist nämlich gar nicht klar. Es gibt zwei große Identitätskiller. Das sind zwei Halbwahrheiten und Halbwahrheiten sind bekanntlich die gefährlichsten. Die erste Halbwahrheit ist: Der Mensch stammt vom Affen ab. Natürlich stammen wir irgendwie vom Affen ab, wenn das stimmt mit der Evolution, aber das ist ja nicht alles. Wir müssen einmal fragen: Was gibt es uns eigentlich für eine Identität, wenn uns gesagt wird, wir stammen vom Affen ab. Manchmal denke ich mir, es ist kein Wunder, dass sich Teenager so benehmen, wenn sie hören, dass sie Affennachfahren sind.

Der Schriftsteller Gottfried Benn, der auch noch Arzt war, hat die Gabe gehabt, sehr provozierend zu formulieren. Von ihm stammt dieser Satz: «Der Mensch, das Schwein, das Hirnvieh.» Dieser Satz ist ja eine Halbwahrheit. Natürlich sind wir auf der «materiellen Ebene» vielleicht Affennachfahren. Aber das ist nicht alles, sondern wir sind geistige Wesen, eine spezielle Spezies, hinter der der Wille Gottes steht, der sagt: «Du bist noch etwas anderes.» Aber wir machen mal weiter mit dem zweiten Identitätskiller: Dass wir Zufallsprodukte sind – eine Halbwahrheit. Natürlich stimmt das irgendwie, aber Zufall klingt wie Abfall. Wir sind mehr, aber zunächst stimmt es – Stromausfall, der Fernseher ging nicht, Vater fand Mutter so süß und Mutter hatte gerade ihre gute Zeit – und so sind wir geworden und es sieht aus nach einem Zufall, aber dahinter steckt das große «Ja» Gottes. Ein Schöpfer der sagt: «Ich will, dass es Dich gibt.» Es ist unglaublich, was dieses Zufallsding mit uns anrichtet, wenn wir sagen, wir sind nichts weiter als Zufall. Das stimmt einfach so nicht. Junge Menschen werfen ihr Leben weg, weil sie es nicht ertragen, dieses Zufallsding. Menschen sind verzweifelt, fahren bis nach Indien, um irgendwie dem Leben einen Sinn abzugewinnen. Dieses Affen-Abstammen-Ding und dieses Zufallsding, das nimmt uns eigentlich unsere Würde. Menschen fallen in das dunkle Loch der Verzweiflung, weil sie einfach keinen Lebenssinn sehen.

Ich habe vor einigen Wochen ein erschütterndes Gespräch geführt mit einer älteren Dame, einer Großmutter, die wollte mit mir reden, weil ihre Enkelin einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Sie hat ihn Gott sei Dank überlebt. Ein 14-jähriges, hübsches Mädchen versucht sich das Leben zu nehmen. Sie hat einen Abschiedsbrief geschrieben und der Grund warum sie sich das Leben nehmen wollte, war, dass sie keinen Lebenssinn sieht. Wir brauchen die erleuchteten Augen des Herzens um zu erkennen, wer wir sind. In der Bibel, in Psalm 8, steht eine wunderbare Frage: «Was ist der Mensch, dass du – gemeint ist Gott – seiner gedenkst und dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit.» Das ist großartig! Das ist ein Minderwertigkeitskiller erster Güte. Ja, wer sind wir denn? Das erste was mir dazu einfällt: Jeder von uns – und ich meine wirklich jeder – jeder von uns ist ein Siegertyp. Wirklich – ein Siegertyp. Das kann ich beweisen. Schon allein auf der naturwissenschaftlichen Ebene.

Als Sie entstanden sind, gab es diesen wunderbaren Moment, dass – das müssen Sie sich mal vorstellen – durchschnittlich 500 Millionen Samenfäden ein wahnsinniges Wettrennen gemacht haben auf diese eine Eizelle. Der Berlin-Marathon ist gar nichts dagegen. 500 Millionen – und einer hat’s geschafft. Einer hat’s geschafft – womm – und hat sich durch die Eizelle gebohrt und die Eizelle befruchtet – und das sind Sie! Schlagen Sie sich ruhig mal an die Brust – sieht im Dunkeln ja keiner – und sagen Sie laut oder leise, je nachdem wie mutig oder schüchtern Sie sind: «Ich bin ein Siegertyp.» Vielleicht glaubt Ihr Nachbar es nicht, vielleicht sagen Sie mal Ihrem Nachbarn: «Sie sind ein Siegertyp.» Das müssen wir mal hören, das tut uns gut, das Leben demütigt und nämlich. Aber wir sind nicht nur Siegertypen, sondern wir sind geliebt, und das ist nur sinnvoll, wenn es einen Gott gibt, der uns will.

Gott hat diesen Willen ausgedrückt durch Jesus, wir sind geliebt, er will uns, wir sind ihm nicht gleichgültig. Noch etwas sind wir – wir sind einmalig. Jeder von uns. Wir brauchen die Augen des Herzens um das zu sehen, diese Einmaligkeit, und darüber happy zu werden. Schon wie wir lachen ist einmalig. Der Platz im Leben, den wir ausfüllen, den können nur wir ausfüllen, niemand anderes. Unser Fingerabdruck, unsere Iris, alles ist einmalig. Meine Schwester sagte mir kürzlich: «Du hast einen ganz einmaligen Gang, erinnert mich ein bisschen an Deinen Vater.» Ich weiß nicht, ob das ein Kompliment war, ich glaube es war eher keins – aber es ist einmalig. Und noch etwas: Wir sind wertvoll. Sie sind wertvoll! Weil Sie einmalig sind und weil Sie Ihren Wert nicht einfach in sich selber haben sondern weil es einen Gott gibt der sagt: «Ich bin froh, dass es Dich gibt. Das hat seinen Sinn und das hat seine Funktion.» Das war das erste.

Das zweite, was wir noch sehen müssen, was wir noch sehen können mit den erleuchteten Augen des Herzens, was man nicht einfach so sehen kann mit unseren natürlichen Augen links und rechts von der Nase sondern was wir nur mit unserem Herzen sehen können ist, dass wir eine Vision für unser Leben bekommen. Mit Vision meine ich nicht so einen Halluzination, sondern Vision ist eher so ein Bild von der Zukunft das uns begeistert und beflügelt um unser Leben tapfer anzupacken. Wir fragen uns vielleicht: «Was soll ich mit meinem Leben, wohin soll ich gehen?» Es gibt so eine Horrorvision, mit der ich Leute, ich muss ja öfter predigen, gerne ärgere. Das Durchschnittsalter unserer Gemeinde ist 22, also junge Leute und denen sage ich gerne folgendes: «Stell Dir vor, Du sitzt eines Tages da und weißt, dass Du nur noch 5 Jahre zu leben hast – maximal. Und dann wirst Du dich schwarz ärgern über zwei Dinge. Erstens, dass Du nicht mehr Risiken eingegangen bist. Du wolltest immer auf der sicheren Seite sein, jetzt ist es zu spät, Du hast es versaut.»

Und das zweite meiner Horrorvision: «Du wirst Dich schwarz ärgern, dass Du Dich nicht 100 Prozent für etwas Großes begeistert hast, dass Dein Leben nicht für etwas Großartiges da war, dass Du nicht in etwas Großartiges investiert hast.» Helen Keller, eine ganz erstaunliche Frau, sie war taubblind geboren und ist trotz ihrer Behinderung zu einer großartigen Sozialreformerin geworden. Die hat einen ganz, ganz coolen Satz gesagt, den sollte man sich merken: «Was ist schlimmer als blind geboren zu sein? Sehen zu können, jedoch ohne Vision zu leben.» Wir brauchen eine Sicht von unserem Leben, es ist so einmalig, so toll, was wir damit anfangen können.

Die Bibel sagt, ohne Vision geht ein Mensch zugrunde. Das heißt, wir brauchen eine Vision für unser Leben. Und Gott will uns helfen, zu träumen, mit ihm zu träumen und diese Träume über unser Leben in die Tat umzusetzen. Wenn wir keine Träume haben für unser Leben, dann lassen wir uns treiben, dann sind wir wie ein Schiff ohne Kompass. Wie eine Taschenlampe ohne Batterie, willig, aber kraftlos. Überhaupt, Vision ist so wichtig, mit dem Herzen zu schauen, unser Leben und was wir damit anfangen können. Eigentlich sind alle tollen Dinge die es gibt erst einmal als Vision entstanden. Bevor es den ersten Ferrari gab, bevor es also diesen tollen Ferrari gab, den wir vorhin gesehen haben hat ihn irgendein verrückter, technisch begabter Designer im Kopf gehabt. Nach und nach ist dieser in die Wirklichkeit gekommen. Alle Menschen, die etwas bewegt haben, haben erst einmal einen Traum, eine Vision gehabt.

Zwei Beispiele: Der eine ist Kolumbus. Der träumte etwas, was für seine Zeit revolutionär war. Gerade mal hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Erde rund sei. Übrigens brauchte die Schule, bis sie diese Erkenntnis den Schülern vermittelt hat, noch weitere 200 Jahre, also bis ins 18. Jahrhundert hat man größtenteils, so habe ich gerade gelesen, in den Schulen gelehrt, dass die Erde eine Scheibe sei. Aber nachdem Kolumbus wusste die Erde ist rund sagte er: «Hey, wenn man nach Indien will muss man immer um dieses Kap der guten Hoffnung ewig rumschippern und es muss einen kürzeren Weg geben.» Und dann hat er 10 Jahre lang versucht, verschiedene Könige versucht zu überzeugen, eine Expedition, Schiffe auszurüsten, Geld zu investieren um den Seeweg nach Indien zu finden. Aber vorher hat er geträumt, er hat eine Vision für sein Leben gehabt und das, was er machen will. Der andere große Träumer ist Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne. Man muss wissen, dass Thomas Edison über 1000 Versuche gehabt hat, bis es ihm gelungen ist, mal so einen Leuchtfaden in einem Glaskolben ordentlich zum Leuchten zu bringen.

Ich frage mich: Was hat diesen Mann angetrieben? Es war eine Vision von beleuchteten Straßen, taghellen Städten. Und 1879 hatte er schließlich einen Erfolg. Wir brauchen eine Vision für unser Leben. Wir sollen mit Gott träumen: «Gott, was kann ich, was bewegt mich, was geht mir nah, was kann ich tun für die Welt und für dich? Wofür hast du mich begabt?» Dass wir mit Gott zusammen eine Vision für unser Leben entwickeln und so ein Leben haben können, das wirklich etwas bewegt – das finde ich großartig!

Das dritte was man nur mit den Augen des Herzens sehen kann, sehen muss, ist das Positive in einem anderen Menschen. Wenn wir andere Menschen lieben wollen, wenn wir selbst zu liebenden Menschen werden wollen, dann müssen wir lernen, das Positive zu sehen, im Leben anderer Menschen. Dostojewski, ein großer russischer Dichter, hat einen coolen Satz gesagt: «Einen Menschen lieben heißt, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat.» Das müssen wir lernen, einen Menschen so sehen, wie Gott ihn gemeint hat. Es gibt da ein ganz großartiges Beispiel und das ist Jesus. Ich kann mir richtig vorstellen, wie Jesus an die Zollstation kommt. In der Zollstation saß Levi. Das ist der Vorfahre von dem, der die berühmte Hose erfunden hat... Also da saß Levi und der hatte gerade wieder betrogen. Er war ein Kollaborateur und ein Betrüger. Und Jesus berief ihn, weil er das Potenzial in diesem Mann sah und sagte: «Dieser Mann ist ein Zeuge und ein Jünger der Wahrheit.» Und er beruft ihn. Das andere Beispiel ist Petrus. Petrus ist ja gar nicht sein bürgerlicher Name, eigentlich hieß er Simon. Jesus verpasste diesen Simon einen Spitznamen, nämlich Petrus, auf deutsch: Fels. Er nannte ihn also «Felsi». Das war sein Spitzname, «Felsi». Und als er ihm zum ersten Mal sagte: «Du bist Petrus, du bist ein Fels und auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen» da kann ich mir richtig vorstellen, wie die anderen Jünger gesagt haben: «Ausgerechnet der ein Fels, da lachen ja die Hühner, der ist ja das Beispiel an Instabilität. Mr. Oktoberfest – mal oben mal unten. Das kann ja wohl nicht sein.» Aber Jesus sah das Potenzial in diesem Mann und sagte: «Dieser Mann ist ein Fels und auf diesem Felsen will ich die neue Bewegung gründen die man die Kirche Jesu nennt.» Großartig!

Jesus sah mit den Augen des Herzens, er sah nicht nur diesen Sanguiniker vom See Genezareth, sondern er sah das Potenzial in diesem Mann. Er sah nicht nur dieses Beispiel an Instabilität und Labilität sondern er sah den Mann, der in Gottes Wahrheit gegründet ist. Und das müssen wir lernen, das Potenzial Gottes zu sehen in anderen Menschen. Deshalb: Fangen Sie an, bei den Menschen, die Sie nicht mögen, das Positive zu sehen. Wie Christus uns sieht. Wie ein egoistischer Mensch ein sympathischer werden kann. Ein labiler ein fester. Aus einem Menschen der sich treiben lässt einer, der klar seinen Weg geht. Und als letztes: Wir müssen sehen, mit den Augen des Herzens, wie Gott uns sieht. Erst einmal, dass er uns sieht. In Psalm 139 heißt es: «Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war.» Schon im Mutterleib, als vielleicht meine Mutter noch nicht einmal eine Ahnung hatte von dem großen Glück, mich gebären zu dürfen, hat Gott schon gesehen, hat Gott Sie gesehen, hat Gott mich gesehen. Er hat sich gefreut und gesagt: «Daraus soll etwas werden.

Etwas Großartiges, etwas zum Segen der Welt, etwas zu meiner Freude.» Und jetzt sitzen Sie hier im Dunkeln, keiner sieht Sie, aber Gott sieht Sie. Für Gott sind Sie im Licht und seine Augen liegen mit Zärtlichkeit auf Ihnen, weil er Sie mag und weil er etwas vorhat mit Ihnen. Ich möchte Sie einladen, das zu entdecken, dafür sehend zu werden. Es gibt einen liebenden Gott. Er wendet sich durch Jesus mir zu und Glaube heißt, das Stück für Stück zu entdecken, wer er ist, was er für mich getan hat. Sich selber in diesem Licht zu sehen, zu entdecken was man mit seinem Leben anfangen kann, und andere in diesem Licht zu sehen. Ich danke Ihnen, dass Sie mir zugehört haben.

Lied

I was blind - Delirious

Lobpreis, Fürbitten & Segen
Lobpreis

Vater des Lichts (mehrmals gesungen)

Fürbitten

Vater Unser & Segen

(Moderatoren)

Segenslied: Der Herr segne dich

Filmszene aus «Blues Brothers» (Licht: Am Ende des Ausschnittes oder schon währenddessen Saallicht hochziehen)

Schluss
Abmoderation

(Licht: etwas Saallicht; Spot auf die Moderatoren)

Schlusslied

Musik nur wenn sie laut ist – H. Grönemeyer